Wrack der SS Thistlegorm – Laderäume, Tiefe und Strömung

In der Straße von Gubal am Eingang des Golfs von Suez liegt auf Sandgrund das Wrack der SS Thistlegorm, eines der bekanntesten Wracks der Welt. Der britische Frachter wurde in der Nacht zum 6. Oktober 1941 von deutschen Bombern versenkt und trug Kriegsmaterial für die britischen Truppen in Ägypten. Die Ladung liegt bis heute im Wrack, Motorräder, Lastwagen, Gewehre und Gummistiefel in den Laderäumen, zwei Dampflokomotiven neben dem Rumpf.

Ein Tauchgang an der Thistlegorm ist beides, Geschichtsstunde und Wracktauchgang mit Strömung, Tiefe und viel Bootsverkehr. Sie ist deshalb ein Ziel für erfahrene Taucher. Ausführlich zu Geschichte, Ladung und Schutz des Wracks informiert der Beitrag Das Wrack der SS Thistlegorm auf tauchen.xyz.

Kriterium Steckbrief
Lage Straße von Gubal, nahe dem Riff Shaab Ali, nördlich der Südspitze des Sinai
Anfahrt Tagesboot oder Tauchsafari ab Sharm el Sheikh, Hurghada oder El Gouna, je nach Quelle zwei bis vier Stunden Fahrt
Tiefe Oberkante des Wracks bei 16 bis 17 m, Meeresgrund bei 30 bis 32 m, der Tauchgang in den Laderäumen bleibt flacher
Schiff Britischer Frachter der Albyn Line, 1940 in Sunderland gebaut, 126,5 m lang
Untergang 6. Oktober 1941 gegen 1.30 Uhr, zwei Bombentreffer im Laderaum 4
Strömung Stark und wechselhaft, sie kann innerhalb weniger Stunden die Richtung um 180 Grad drehen
Erfahrung Advanced Open Water oder CMAS **, für die Laderäume zusätzlich Wrackerfahrung
Wassertemperatur Rund 22 bis 23 °C im Februar bis 29 oder 30 °C im August
Highlights Bedford-Lastwagen, Norton- und BSA-Motorräder, zwei Lokomotiven, Heckgeschütze, Fledermausfische und Barrakudas

Ein Frachter mit Kriegsmaterial auf dem Weg nach Alexandria

Die Thistlegorm lief am 9. April 1940 bei J. L. Thompson and Sons in Sunderland vom Stapel, Eigner war die Albyn Line. Am 2. Juni 1941 verließ sie Glasgow mit Kriegsmaterial für die britischen Truppen in Ägypten, die Route führte um Afrika herum über Kapstadt und durch das Rote Meer. Weil der Suezkanal nach einer Kollision blockiert war, ankerte sie ab September 1941 am Ankerplatz „Safe Anchorage F“ vor dem Sinai.

In der Nacht zum 6. Oktober 1941 fanden zwei Heinkel He 111 des Kampfgeschwaders 26, auf Kreta gestartet, die wartenden Schiffe. Zwei Bomben trafen den Laderaum 4 am Heck, die Munition an Bord explodierte und brach das Schiff auseinander. Neun Männer kamen ums Leben, vier Seeleute und fünf Männer der Geschützbedienung, die Überlebenden nahm die HMS Carlisle auf.

Jacques-Yves Cousteau fand das Wrack Anfang der 1950er-Jahre mithilfe einheimischer Fischer und barg unter anderem die Schiffsglocke. Danach geriet es weitgehend in Vergessenheit, bis Anfang der 1990er-Jahre Tauchboote aus Sharm el Sheikh es wieder anfuhren.

Die Ladung liegt bis heute im Wrack

Die Explosion hat das Mittelschiff zerstört. Der Bug steht aufrecht, das Heck liegt tiefer und ist um fast 90 Grad gedreht. Vor der Explosionsstelle sind mehrere Laderäume erhalten, nach Alert Diver auf zwei Ebenen und zur Mitte hin offen. Zur Ladung zählen Bedford-Lastwagen, Universal-Carrier-Kettenfahrzeuge, Motorräder von Norton und BSA, Bren-Maschinengewehre, Gewehre, Munition, Funkgeräte, Gummistiefel und Flugzeugteile. Zwei Dampflokomotiven der Baureihe LMS Stanier 8F wurden bei der Explosion vom Deck geschleudert und liegen links und rechts neben dem Wrack am Grund.

Wer in die Laderäume taucht, hat eine Decke über sich und keinen direkten Weg zur Oberfläche, das ist Tauchen in einer Überkopfumgebung. Alert Diver rät, nahe an den zentralen Öffnungen zu bleiben, durch die Tageslicht fällt. Am Boden liegt Sediment, ein unachtsamer Flossenschlag nimmt Ihnen und allen hinter Ihnen die Sicht. Im Wrack liegen Reste von Munition, deshalb gilt ansehen und nichts anfassen. Allgemeine Regeln fasst das Lexikon unter Wracktauchen zusammen.

Zwei Tauchgänge außen und in den Laderäumen

Die meisten Basen teilen den Besuch in einen Tauchgang außen und einen in den Laderäumen. Beides geht nur über die Abstiegsleine.

Außen – Bug, Explosionsstelle, Lokomotiven und Heck

Sie steigen an der Leine ab und erreichen den aufrechten Bug in etwa 16 m. Von dort geht es am Rumpf entlang zur Explosionsstelle, wo aufgerissene Decksträger ins Wasser ragen. Die Lokomotiven liegen neben dem Wrack auf dem Grund in etwa 30 m, am Heckdeck stehen die beiden Geschütze, und die Schraube liegt mit rund 32 m an der tiefsten Stelle. Bei Strömung aus Norden sammeln sich am Bug Makrelen, Füsiliere und Thunfische, zwischen Heck und Explosionsstelle stehen Fledermausfische und Barrakudaschwärme.

Innen – die Laderäume

Im zweiten Tauchgang gleiten Sie durch die Öffnungen in die erhaltenen Laderäume. Auf den Ebenen stehen Lastwagen, in den Ladeflächen und daneben Motorräder, dazu Munitionskisten und Gummistiefel. Alert Diver nennt den Tauchgang in den Laderäumen mit einer Maximaltiefe von 26 m. Für das Innere ist saubere Flossentechnik, etwa der Froschtritt, Pflicht, denn aufgewirbeltes Sediment kann die Sicht binnen Sekunden verschlechtern. Eine zuverlässige Tauchlampe und eine Backup-Lampe gehören dazu.

Strömung, Leine und Gasplanung

Das Wrack liegt offen in der Straße von Gubal und ist Wind und Strömung ausgesetzt. Alert Diver beschreibt die Strömung als stark und wechselhaft, sie kann sich innerhalb weniger Stunden um 180 Grad drehen. An der Oberfläche steht oft mehr Strömung als am Wrack. Die Boote machen direkt am Wrack fest, seit 2009 sind die 2007 ausgebrachten Festmacherbojen nach Angaben von Wikipedia nicht mehr vorhanden. Als größte Gefahr nennt Alert Diver die Schrauben von Booten und Schlauchbooten und rät, immer an der Leine auf- und abzusteigen. Dekompressionstauchgänge bei starker Strömung und rauer See sind zu vermeiden.

Mit dem Grund bei 30 m wird die Nullzeit an Luft schnell knapp, ein Nitrox-Brevet bringt hier spürbar Reserve. Die maximale Einsatztiefe liegt bei einem Sauerstoffpartialdruck von 1,4 bar für Nitrox mit 32 Prozent Sauerstoff bei rund 34 m, bei 36 Prozent nur bei rund 29 m. Für den Grund und die Schraube ist ein Gemisch mit 36 Prozent damit zu sauerstoffreich, für die Laderäume ist es geeignet. Planen Sie eine großzügige Reserve ein, damit Aufstieg und Sicherheitsstopp an der Leine gegen die Strömung entspannt gelingen.

Fische, Bewuchs und Besucher

Das Wrack liegt seit über acht Jahrzehnten im Wasser und ist zum Treffpunkt für Fische geworden. Wikipedia nennt Thunfische, Barrakudas, Fledermausfische, Muränen, Rotfeuerfische, Steinfische, Krokodilsfische, Drachenköpfe und Meeresschildkröten. Frühe Tauchgänge sind ruhiger, denn die Thistlegorm ist das meistbesuchte Wrack des Roten Meeres, später am Morgen kommen die Tagesboote.

Reisezeit, Wetter und Anzug

Die Thistlegorm lässt sich das ganze Jahr besuchen, solange Wind und Seegang die Überfahrt erlauben. Im Winter weht ein kräftiger Nordwind, der in der Straße von Gubal Wellengang erzeugt, im Herbst beruhigt sich der Wind. Das Wasser hat im Februar 22 bis 23 °C, im Mai etwa 25 °C und im August bis zu 30 °C. Am Roten Meer weht oft kräftiger Wind, und mehrere Tauchgänge am Tag kühlen aus. Deshalb gilt von April bis Juni und von September bis November mindestens 5 mm. Im Hochsommer, im Juli und August, reichen 3 mm, bei mehreren Tauchgängen am Tag sind 5 mm besser. Von Dezember bis März setzen viele Taucher auf einen Trockentauchanzug. Wer kälteempfindlich ist, nimmt einen 7-mm-Anzug mit, vor allem bei drei bis vier Tauchgängen am Tag wie auf einer Tauchsafari.

Die Monatswerte für die Startorte finden Sie in den Beiträgen Wetter und Klima in Sharm el-Sheikh und Wetter, Klima und Wassertemperatur in Hurghada. Ein weiteres Wrackziel im Norden des Roten Meeres sind die Wracks von Abu Nuhas. Die Gebühr für den Nationalpark Ras Mohammed fällt bei Thistlegorm-Ausfahrten nach Angaben von Circle Divers nicht an.

Häufige Fragen zur SS Thistlegorm

Ist die SS Thistlegorm für Open Water Diver geeignet?

In der Regel nicht. Das Wrack liegt bis 32 m tief, ist starker und wechselhafter Strömung ausgesetzt und wird nur an der Leine betaucht. Alert Diver empfiehlt es Fortgeschrittenen und Spezialisten, Wannadive stuft es auf CMAS ** oder Advanced Open Water ein. Wer in die Laderäume will, sollte Wrackerfahrung mitbringen.

Darf man etwas aus dem Wrack mitnehmen?

Nein. Berühren und Mitnehmen von Gegenständen ist untersagt. Zusätzlich liegen Reste von Munition im Wrack, deshalb gilt ansehen und nichts anfassen.

Wie gefährlich sind die Laderäume?

Die Laderäume sind eine Überkopfumgebung ohne direkten Weg zur Oberfläche. Mit sicherer Tarierung, Lampe und Backup, einem erfahrenen Guide und Abstand zu den Wänden ist der Tauchgang gut machbar. Gefahr entsteht vor allem durch aufgewirbeltes Sediment und Hektik.

Warum ist Nitrox an der Thistlegorm so sinnvoll?

Der Grund liegt bei etwa 30 m, damit wird die Nullzeit an Luft schnell knapp. Nitrox verlängert sie. Beachten Sie die maximale Einsatztiefe Ihres Gemischs, mit 36 Prozent Sauerstoff liegt sie bei rund 29 m.

Quellen und weiterführende Links

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