Die Straße von Tiran trennt den Sinai von der Insel Tiran und bildet den Eingang zum Golf von Aqaba. In der Meerenge liegen vier Riffe in einer Reihe, von Norden nach Süden Jackson Reef, Woodhouse Reef, Thomas Reef und Gordon Reef. Sie liegen rund 14 km nordöstlich von Sharm el Sheikh, die Bootsfahrt dauert etwa anderthalb Stunden. Zwischen den Riffen fällt das Wasser auf große Tiefe ab, und die Strömung ist stark und wechselhaft.
Jedes der vier Riffe hat seinen eigenen Charakter. Jackson ist das exponierteste und gilt als Platz für Haie, Woodhouse ist ein klassischer Drift mit Canyon, Thomas ist das kleinste und farbigste Riff, und Gordon ist mit seinem Plateau das gutmütigste. Zwei Schiffswracks, die Lara bei Jackson und die Loullia bei Gordon, werden oft verwechselt. Für Sporttaucher ist keines von beiden ein Wracktauchgang. Die Monatswerte für Wasser und Wind stehen im Beitrag Wetter und Klima in Sharm el-Sheikh.
| Kriterium | Steckbrief |
|---|---|
| Lage | Straße von Tiran am Eingang des Golfs von Aqaba, rund 14 km nordöstlich von Sharm el Sheikh |
| Anfahrt | Tagesboot oder Tauchsafari, rund 1,5 Stunden Fahrt, meist zwei Tauchgänge am Tag |
| Tiefe | Wände fallen auf große Tiefe ab, getaucht wird meist zwischen 10 und 30 m |
| Aufbau | Vier Riffe in Reihe, Wände, Plateaus und Canyons, kaum feste Festmacher |
| Strömung | Stark und wechselhaft, meist als Drift getaucht |
| Erfahrung | Advanced Open Water mit Strömungserfahrung, Gordon Reef ist das einfachste Riff |
| Wassertemperatur | Rund 22 bis 23 °C im Februar, 25 °C im Mai, 28 bis 30 °C im Hochsommer |
| Highlights | Hammerhaie am Jackson und Gordon Reef von Juli bis September, Graue Riffhaie, Adlerrochen, Gorgonien und Weichkorallen |
Die vier Riffe im Überblick
Getaucht wird in der Straße von Tiran meist als Drift. Die Boote haben an den meisten Riffen keine festen Festmacher, deshalb entscheidet die Strömung am Tag über Richtung und Verlauf.
Jackson Reef – das nördlichste Riff
Das Jackson Reef ist das nördlichste und dem offenen Golf am stärksten ausgesetzt. Auf der geschützteren Südseite wachsen Korallen und liegt ein Röhrenaalgarten. Die Ostwand lässt sich bei Strömung als Drift tauchen. Am Westende nimmt die Strömung deutlich zu, dort drehen die Gruppen meist um. Auf der Nordseite bietet sich bei ruhiger See im Sommer die Chance auf Hammerhaie. Nach Angaben von Dive The World und Liveaboard.com sind Bogenstirn-Hammerhaie von Juli bis September am häufigsten. Dazu kommen Graue Riffhaie und Weißspitzen-Riffhaie. Eine Garantie gibt es nicht.
Auf der Nordseite des Riffs liegt auch das Wrack der Lara. Der zyprische Frachter lief im November 1982 auf das Riff, in den 1990er-Jahren wurde der Rumpf zum Teil geborgen, heute ist nur noch ein Skelett des Schiffs übrig. Was unter Wasser liegt, beginnt nach Angaben von Dive The World bei über 48 m und ist Technischen Tauchern vorbehalten.
Woodhouse Reef – Drift mit Canyon
Das Woodhouse Reef ist ein langes, schmales Riff zwischen Jackson im Norden und Thomas im Süden. Die Wand fällt auf etwa 30 m ab, die Korallen wachsen von der Oberfläche abwärts. Auf halber Strecke öffnet sich ein Canyon, und von Schwarzen Korallen bis zu Rochen und Schildkröten ist einiges zu sehen. Getaucht wird als Drift von Süd nach Nord. Am Nordende liegt die „Washing Machine“, eine Zone mit sehr starker Strömung in allen Richtungen. Bei Seegang oder kräftiger Strömung beendet die Gruppe den Tauchgang vorher.
Thomas Reef – das kleinste und farbigste Riff
Das Thomas Reef ist das kleinste der vier und trägt den dichtesten Korallenbewuchs. An der Wand liegt in etwa 25 m ein Plateau, auf dem Haie im Sand ruhen, dazu wachsen große Gorgonien. Wegen der Strömung am Nord- und Südende wird auch hier fast immer gedriftet. Der Thomas Canyon beginnt in etwa 35 m mit einem schmalen Eingang und Bögen aus herabgefallenen Felsblöcken, ist rund 80 m lang und reicht bis etwa 90 m. Er ist für Technische Taucher mit passender Ausbildung und Gasen vorbehalten, Sporttaucher bleiben oberhalb.
Gordon Reef – das gutmütigste Riff
Das Gordon Reef liegt ganz im Süden. Die Boote machen auf dem südlichen Plateau fest, das nur wenige Meter unter der Oberfläche beginnt, die Wand setzt bei etwa 16 m an. Hier ist es das einfachste der vier Riffe, wenn auch nicht frei von Strömung. Auf der Nordseite des Riffs liegt das Wrack der Loullia. Der Frachter lief im September 1981 auf das Riff und ragt bis heute verrostet aus dem Wasser. Er ist kein Tauchziel. Rund um das Plateau sehen Taucher Adlerrochen, Thunfische, Muränen und im Sommer gelegentlich Hammerhaie an der Nordseite.
Strömung und Sicherheit
Die Strömung ist in der Meerenge das beherrschende Thema. Sie kann sich umkehren und an den Riffenden zu Wirbeln und Abwinden führen. Beim Abtauchen ist deshalb oft ein negativer Einstieg nötig, damit Sie nicht an der Kante vorbeitreiben. Gute Tarierung und Erfahrung mit Strömung sind Voraussetzung. Zur Ausrüstung gehören eine großvolumige Oberflächenboje mit langer Leine, denn im Freiwasser nach dem Drift müssen die Boote Sie sehen. Ein Alarm am Tauchcomputer hilft gegen unbemerkte Tiefe. Feuerkorallen kommen an einigen Riffen vor, berühren Sie nichts.
Mit Nitrox lassen sich die Grundzeiten auf den Plateaus verlängern. Beachten Sie die maximale Einsatztiefe Ihres Gemischs und halten Sie Reserve für Strömungspassagen.
Haie, Rochen und Korallen
Die ständige Zufuhr von Nährstoffen macht die Meerenge zu einem Magneten für Großfische. Neben den Hammerhaien im Sommer sind Graue Riffhaie und Weißspitzen-Riffhaie das ganze Jahr verbreitet, Adlerrochen und Thunfische sind häufig, und an der Wand gibt es Schildkröten. Die Riffe tragen Gorgonien, Schwarze Korallen und dichte Weichkorallen. Hintergründe zu Haien liefert der Beitrag Haie und Rochen im Artenschutz. Die Sicht beträgt nach Angaben von Veranstaltern meist 20 bis 30 m.
Reisezeit, Wassertemperatur und Anzug
Die Straße von Tiran lässt sich das ganze Jahr betauchen. Im Winter weht ein kräftiger Nordwind, der auf der Überfahrt eine Schaukelwelle erzeugt, im Herbst fallen die Ausfahrten seltener aus. Das Wasser hat im Februar 22 bis 23 °C, im Mai etwa 25 °C, im Juli und August 28 bis 30 °C und im Oktober 28 °C. Am Roten Meer weht oft kräftiger Wind, und mehrere Tauchgänge am Tag kühlen aus. Deshalb gilt von April bis Juni und von September bis November mindestens 5 mm. Im Hochsommer, im Juli und August, reichen 3 mm, bei mehreren Tauchgängen am Tag sind 5 mm besser. Von Dezember bis März setzen viele Taucher auf einen Trockentauchanzug. Wer kälteempfindlich ist, nimmt einen 7-mm-Anzug mit, vor allem bei drei bis vier Tauchgängen am Tag wie auf einer Tauchsafari.
Die Tagesboote legen früh am Morgen in Sharm el Sheikh ab und fahren in der Regel zwei Riffe an. Alle Monatswerte finden Sie im Beitrag Wetter und Klima in Sharm el-Sheikh, weitere Plätze der Region in der Übersicht zur Tauchregion Sharm el Sheikh. Für Strömungstauchen im Nationalpark bietet sich Shark und Yolanda Reef an, als Wrack im Norden die SS Thistlegorm.
Häufige Fragen zur Straße von Tiran
Sind die Tauchplätze in der Straße von Tiran für Anfänger geeignet?
In der Regel nicht. Wegen der starken, wechselhaften Strömung und der tiefen Wände setzen die Basen mindestens den Advanced Open Water mit Strömungserfahrung voraus. Das Gordon Reef gilt als das einfachste der vier Riffe.
Wann ist die beste Zeit für Hammerhaie am Jackson Reef?
Die besten Chancen bestehen nach Angaben von Dive The World und Liveaboard.com von Juli bis September, wenn die Nordseite bei ruhiger See getaucht werden kann. Eine Garantie für Hammerhaie gibt es nicht.
Kann man die Wracks Lara und Loullia betauchen?
Die Loullia liegt auf dem Gordon Reef und ragt aus dem Wasser, sie ist kein Tauchziel. Die Lara liegt bei Jackson und reicht nach Angaben von Dive The World unter Wasser auf über 48 m. Dort tauchen nur Technische Taucher, und nur bei ruhigem Wetter.
Was ist der Thomas Canyon?
Der Thomas Canyon ist ein Felsspalt am Thomas Reef, der in etwa 35 m beginnt, rund 80 m lang ist und bis etwa 90 m abfällt. Er ist ein Ziel für Technische Taucher mit passender Ausbildung. Sporttaucher bleiben oberhalb.
Quellen und weiterführende Links
- Liveaboard.com, Straits of Tiran – Lage der Riffe, Fahrzeit, Strömung, Sicht und Hammerhai-Saison
- Dive The World, Straits of Tiran – Lara, Loullia, Thomas Canyon und Aufbau der vier Riffe
- Scuba Diver Life, Diving the Straits of Tiran – Gordon Reef mit Loullia, Woodhouse mit Washing Machine, Thomas Canyon
- The Scuba News, Lara – Strandung der Lara im November 1982 und heutiger Zustand des Wracks
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