Die Similan & Surin Islands: Thailands unbestrittene Unterwasser-Krone
Khao Lak, an der sonnenverwöhnten Westküste der Provinz Phang Nga gelegen, ist das unangefochtene Tor zu den spektakulärsten Tauchgründen Thailands. Wer von erstklassigen Riffen, atemberaubenden Granitformationen und unvergesslichen Begegnungen mit pelagischen Meeresriesen träumt, landet unweigerlich hier. Vom nahegelegenen Tab Lamu Pier aus brechen ganzjährig erfahrene Taucher und Abenteurer auf, um die beiden weltberühmten Meeresnationalparks Mu Ko Similan und Mu Ko Surin in der nördlichen Andamanensee zu erkunden. Diese beiden Archipele repräsentieren die absolute Spitzenklasse des südostasiatischen Tauchsports und bieten eine Unterwasser-Biodiversität, die im Indischen Ozean ihresgleichen sucht.
Ein zentraler Aspekt für jede Reiseplanung sind die strengen behördlichen Schutzmaßnahmen der thailändischen Nationalparkverwaltung (DNP). Die Nationalparks Mu Ko Similan und Mu Ko Surin sind jährlich ausschließlich vom 15. Oktober bis zum 15. Mai für den Besucherverkehr geöffnet. Während der Monsunmonate von Mitte Mai bis Mitte Oktober bleiben die Inseln vollständig gesperrt. Diese fünfmonatige Schließung erfüllt zwei wesentliche Funktionen: Zum einen ermöglicht sie den empfindlichen Korallenriffen, Fischpopulationen und Nistplätzen der Meeresschildkröten eine ungestörte Regenerationsphase ohne anthropogenen Druck. Zum anderen bringt der sommerliche Südwest-Monsun schwere Stürme, hohe Dünung und unberechenbare Strömungen auf die offene Andamanensee, die eine sichere Überfahrt unmöglich machen würden. Für eine fundierte Gesamtreiseplanung empfiehlt sich ein Blick auf die Übersicht zur besten Reisezeit für Thailand, um Monsunphasen an Land und auf See optimal abzustimmen.
Tauchsafari (Liveaboard) vs. Tagestour ab Tab Lamu Pier: Der ehrliche Vergleich
Bei der Planung eines Tauchtrips ab Khao Lak stehen Gäste vor einer grundlegenden Entscheidung: Lohnt sich eine mehrtägige Tauchsafari (Liveaboard) oder genügt eine Tagestour mit dem Speedboot ab Tab Lamu Pier? Ein ehrlicher Blick auf Logistik, Tauchqualität und Erholungsfaktor zeigt deutliche Unterschiede auf, die für den Erfolg der Reise entscheidend sind.
Die Speedboot-Tagestour: Tagestouren werden von vielen Tauchbasen in Khao Lak angeboten und eignen sich vor allem für Urlauber mit knappem Zeitbudget oder reisende Familien. Allerdings ist das Profil anstrengend: Nach dem frühen Transfer zum Tab Lamu Pier folgt eine etwa 70- bis 90-minütige, oft ruppige Fahrt im offenen Speedboot zu den südlichen Inseln des Similan-Archipels (meist Insel 4 bis Insel 8). Vor Ort absolviert man zwei bis drei Tauchgänge in einem engen Zeitfenster, häufig zeitgleich mit dutzenden Schnorchelbooten. Zudem erreichen reguläre Tagesboote aufgrund der enormen Distanzen nur selten die wahren Kronjuwelen im Norden wie Koh Tachai oder den legendären Richelieu Rock.
Die Tauchsafari (Liveaboard): Ein Liveaboard ist und bleibt die Königsdisziplin. Typische Safaris dauern vier Tage und vier Nächte (4D/4N) und decken das gesamte Spektrum von den südlichen Similans über Koh Bon und Koh Tachai bis hinauf zum Richelieu Rock an der burmesischen Grenze ab. Der unschätzbare Vorteil liegt im Rhythmus: Sie wachen morgens direkt am Tauchplatz auf und gleiten beim ersten Tageslicht ins Wasser, lange bevor das erste Tagesschiff den Horizont erreicht. Zwischen den Tauchgängen entspannen Sie auf dem Sonnendeck, genießen erstklassige Bordverpflegung und erleben spektakuläre Dämmerungs- sowie Nachttauchgänge. Wer anspruchsvolle Nachttauchgänge plant, sollte sich rechtzeitig über die aktuellen Sicherheitsbestimmungen zur Mitnahme von Tauchlampen im Flugzeug-Handgepäck informieren, um böse Überraschungen am Airport Phuket zu vermeiden.
Die legendären Top-Tauchplätze der Region im Porträt
Die nördliche Andamanensee bietet eine außergewöhnliche Vielfalt an Unterwasserlandschaften. Während die Similan-Inseln von gigantischen Granitformationen und Swim-Throughs geprägt sind, bieten die nördlichen Solitärfelsen dramatische Steilwände und außergewöhnliche Weichkorallengärten.
Richelieu Rock: Der König der Andamanensee
Geographisch gehört der Richelieu Rock zum Mu Ko Surin Nationalpark und liegt rund 200 Kilometer nördlich von Phuket völlig isoliert im offenen Meer. Der hufeisenförmige Kalksteinfelsen, der von Tauchpionier Jacques-Yves Cousteau entdeckt und berühmt gemacht wurde, ragt bei Ebbe nur knapp aus dem Wasser. Unter der Oberfläche fällt der Fels bis auf über 35 Meter Tiefe ab und ist über und über mit leuchtend violetten und gelben Weichkorallen sowie riesigen Gorgonien überwuchert. Richelieu Rock ist ein Magnet für gigantische Fischschulen: Schwärme von Gelbstreifen-Schnappern, Barrakudas und Makrelen umkreisen die Zinnen in einer solchen Dichte, dass das Sonnenlicht abgeschirmt wird. Gleichzeitig ist der Felsen ein Weltklasse-Makrorevier für Harlekingarnelen, Geisterpfeifenfische, Anglerfische und Seepferdchen. Von Januar bis April gilt Richelieu Rock zudem als verlässlichster Hotspot Thailands für majestätische Walhaie.
Koh Bon: Die Manta-Cleaning-Station der Extraklasse
Rund zwei Bootsstunden nördlich der Similans liegt die unbewohnte Kalksteininsel Koh Bon. Ihr bekanntester Tauchplatz ist der berühmte Westgrat (West Ridge), eine messerscharfe Felsrippe, die sich weit ins offene Meer hinauszieht und bis in Tiefen von über 45 Metern abfällt. Hier trifft sauerstoff- und nährstoffreiches Tiefenwasser auf die Felsbarriere und erzeugt Aufwärtsströmungen. An dieser natürlichen Putzerstation versammeln sich zwischen Dezember und Mai regelmäßig große Riffmantas (Mobula alfredi), die minutenlang über den Köpfen der Taucher im Freiwasser verweilen, während Putzerlippfische ihre Haut säubern. Aufgrund der oft kräftigen Dünung und Strömung sind solide Kenntnisse im Strömungstauchen hier Gold wert.
Koh Tachai: Strömungsaction am Tachai Pinnacle
Weiter nördlich markiert Koh Tachai den nächsten Höhepunkt. Das Unterwasser-Plateau Tachai Pinnacle liegt völlig unter der Oberfläche und besteht aus riesigen, rundgewaschenen Granitblöcken, die von Hart- und Weichkorallen überzogen sind. Die Strömungen können hier beträchtlich sein, locken jedoch große Raubfische an: Jagende Dickkopf-Makrelen (Giant Trevallies), Schulen von Großaugen-Barrakudas und vorbeiziehende Leopardenhaie zählen zum Standardprogramm. Da die Durchschnittstiefe an diesem Seamount schnell 20 bis 28 Meter erreicht, profitieren Taucher enorm von den Vorteilen des Tauchens mit Nitrox, um die verfügbare Nullzeit am Felsboden sicher auszuschöpfen.
Elephant Head Rock (Hin Pousar)
Inmitten des Similan-Nationalparks, südwestlich von Insel 8, thront der berühmte Elephant Head Rock. Seine aus dem Wasser ragenden Granitkuppen erinnern an den Kopf eines Elefanten. Unter Wasser erstreckt sich ein gigantisches Labyrinth aus übereinander gestapelten Megalithen, die bizarre Canyons, Tunnel, Bögen und Swim-Throughs bilden. Strömungen ziehen häufig durch die engen Kanäle, in denen weißspitzen-Riffhaie patrouillieren und riesige Schnapperschwärme im Schutz der Felsen Schutz suchen.
Boonsung Wreck vor Khao Lak
Direkt vor der Küste von Khao Lak liegt in nur 18 Metern Tiefe das Boonsung Wreck. Der 1984 gesunkene Zinnbagger wurde durch den Tsunami 2004 in mehrere Teile zerlegt, hat sich jedoch in eines der artenreichsten künstlichen Riffe Asiens verwandelt. Die Wracktrümmer sind buchstäblich eingehüllt in dichte Fischwolken aus Jungfischen, Igel- und Kofferfischen, Skorpionsfischen, Netzmuränen und Leoparden-Stechrochen. Es dient vielen Basen als perfekter Check-Dive vor einer Safari oder als entspannte Halbtagestour.
Klima, Wassertemperaturen & Thermoklinen in der Andamanensee
Die Andamanensee zeichnet sich durch ein tropisches Monsunklima aus. Die Hauptsaison von November bis April bringt stabiles, sonniges Wetter, ruhige See und fantastische Sichtweiten von häufig 25 bis 40 Metern. Während die Wassertemperatur an der Oberfläche meist wohlige 28 bis 30 Grad aufweist, tritt an tieferen Tauchplätzen wie Koh Bon, Koh Tachai und Richelieu Rock ein charakteristisches Phänomen auf: Kühle Tiefenwasser-Auftriebe (Thermoklinen). Diese Sprungschichten können das Thermometer innerhalb weniger Meter von 29 auf 24 oder gar 23 Grad absinken lassen, bringen jedoch gigantische Planktonmengen mit sich, die Walhaie und Mantas anziehen. Wer das Klima mit anderen thailändischen Regionen vergleichen möchte, findet detaillierte Einblicke im Bericht über Wetter und Klima auf Koh Tao im Golf von Thailand.
| Monat | Luft (°C) | Wasser (°C) | Sicht (m) | Wind & Dünung | Nationalpark-Status |
|---|---|---|---|---|---|
| Januar | 31 | 28–29 | 25–35 | Ruhig, leichte Brise | Geöffnet (Top-Saison) |
| Februar | 32 | 28–29 | 30–40 | Spiegelglatt | Geöffnet (Beste Sicht) |
| März | 33 | 29–30 | 25–35 | Sehr ruhig | Geöffnet (Manta/Walhai-Peak) |
| April | 34 | 29–30 | 20–30 | Zunehmend Thermoklinen | Geöffnet (Walhai-Peak) |
| Mai | 33 | 29 | 15–25 | Aufkommender Monsun | Schließung ab 16. Mai |
| Juni–September | 30–32 | 28–29 | 10–20 | Starke Dünung & Wellen | Geschlossen (Monsun) |
| Oktober | 31 | 28–29 | 15–25 | Abklingende Regenfälle | Eröffnung ab 15. Oktober |
| November | 31 | 28 | 20–30 | Nordostwind, glättend | Geöffnet (Saisonstart) |
| Dezember | 31 | 28 | 25–35 | Ruhige See | Geöffnet (Hochsaison) |
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zum Tauchen an den Similan Islands
Wann ist die beste Reisezeit für eine Tauchsafari zu den Similan Islands?
Die ideale Reisezeit liegt zwischen Dezember und April. In diesen Monaten ist die Andamanensee spiegelglatt, die Sichtweiten betragen bis zu 40 Meter und das Wetter ist sonnig und stabil. Die höchsten Chancen auf Begegnungen mit Manta-Rochen und Walhaien an Plätzen wie Koh Bon und Richelieu Rock bestehen von Ende Januar bis Mitte April.
Darf man an den Similan Islands auch außerhalb der Saison tauchen?
Nein, das ist streng verboten. Die Meeresnationalparks Mu Ko Similan und Mu Ko Surin sind vom 16. Mai bis zum 14. Oktober behördlich geschlossen. Boote erhalten in dieser Zeit keine Einfahrtsgenehmigung, und Verstöße werden mit empfindlichen Strafen und Lizenzentzügen geahndet.
Welcher Erfahrungsgrad wird für die Similan Islands und Richelieu Rock benötigt?
Die meisten Tauchsafaris verlangen mindestens das Advanced Open Water Diver (AOWD) Brevet sowie 20 bis 30 geloggte Tauchgänge. Tauchplätze wie Koh Tachai, Elephant Head Rock und Richelieu Rock weisen Tiefen bis über 30 Meter und mitunter kräftige Strömungen auf. Einsteiger können den AOWD-Kurs jedoch oft direkt am ersten Safaritag an Bord absolvieren.
Reicht für die Andamanensee ein 3-mm-Neoprenanzug?
Ja, in der Regel ist ein 3-mm-Neoprenanzug (entweder als Shorty oder als langer Overall) völlig ausreichend, da die Oberflächentemperatur bei 28 bis 30 Grad liegt. Da an exponierten Plätzen wie Richelieu Rock jedoch plötzliche Kaltwassersprungschichten (Thermoklinen) mit 24 Grad auftreten können, wählt die Mehrheit der Taucher einen langen 3-mm-Overall, der zugleich Schutz vor Nesselzellen und scharfen Granitkanten bietet.