Tauchen im Baa-Atoll – Hanifaru Bay, Mantas und Riffhaie

Für anspruchsvolles Tauchen Baa Atoll anzusteuern, führt in eines der artenreichsten Meeresschutzgebiete der Malediven. Das Atoll im Westen des Archipels wurde im Juni 2011 von der UNESCO als Biosphärenreservat anerkannt. Weltweite Bekanntheit erlangte die Region durch die Hanifaru Bay, in der sich während des Südwestmonsuns zahlreiche Riffmantas und Walhaie zu gemeinsamen Fressgelagen versammeln.

Für Taucher bietet das Baa-Atoll eine vielseitige Unterwasserlandschaft mit tiefen Thilas, Überhängen und strömungsreichen Kanälen. Während in der Hanifaru Bay selbst zum Schutz der Tiere ein striktes Gerätetauchverbot gilt und ausschließlich Schnorcheln erlaubt ist, warten an Plätzen wie Dhonfanu Thila, Nelivaru Thila oder Kakka Thila anspruchsvolle Strömungstauchgänge auf erfahrene Sporttaucher. Die gesetzliche Tiefengrenze auf den Malediven liegt bei 30 Metern, Dekompressionstauchgänge sind behördlich untersagt.

Merkmal Angabe
Lage Baa-Atoll, rund 115 Kilometer (Luftlinie) nordwestlich der Hauptstadt Malé
Status UNESCO-Biosphärenreservat seit Juni 2011
Beste Reisezeit für Mantas Mai bis November während des Südwestmonsuns, Spitzenmonate Juli bis Oktober
Beste Reisezeit für Taucher Dezember bis April im Nordostmonsun mit ruhiger See und weiten Sichtweiten
Wassertemperatur ganzjährig 27 bis 30 °C
Maximale Tauchtiefe 30 m nach maledivischem Tauchgesetz
Anreise Inlandsflug ab Malé nach Dharavandhoo (etwa 20 bis 30 Minuten) oder Wasserflugzeug
Empfohlener Anzug 3-mm-Nasstauchanzug oder Lycra-Anzug

Das Naturphänomen der Hanifaru Bay

Die Bucht Hanifaru ist eine trichterförmige Bucht am Ostrand des Baa-Atolls. Ihre geografische Form und die vorherrschenden Meeresströmungen während des Südwestmonsuns führen dazu, dass sich riesige Mengen Plankton in dem schmalen Einschnitt anstauen. Wenn die Gezeitenströmung das nährstoffreiche Wasser gegen die flachen Riffzungen drückt, entsteht eine Planktonkonzentration von enormer Dichte.

Dieses Nahrungsangebot lockt dutzende, an manchen Tagen über einhundert Riffmantas (Manta alfredi) sowie Walhaie an. Die Tiere schwimmen in geordneten Ketten hintereinander oder bilden sogenannte Fresswirbel (Cyclone Feeding), bei denen sie kreisförmig das Plankton aus dem Wasser filtern. Mehr über die Lebensweise und den Schutz der Rochen erfahren Sie im Fachbeitrag zu den Mantarochen.

Um diese Tieransammlungen vor Störungen zu bewahren, hat die Umweltschutzbehörde der Malediven (EPA) strengste Verhaltensregeln erlassen. Gerätetauchen ist in der gesamten Bucht verboten. Besucher dürfen sich nur als Schnorchler mit zertifizierten Guides im Wasser aufhalten. Es gilt eine Begrenzung der Gruppengröße sowie ein absolutes Blitzlicht- und Berührungsverbot. Boote müssen einen festgelegten Mindestabstand einhalten und mit reduzierter Geschwindigkeit manövrieren. Die Einhaltung dieser Vorgaben wird von Rangern des Biosphärenreservats vor Ort überwacht.

Die besten Tauchplätze im Baa-Atoll

Außerhalb der Hanifaru Bay bietet das Baa-Atoll hervorragende Bedingungen für Gerätetaucher. Die Riffstrukturen sind geprägt von isolierten Unterwasserbergen (Thilas), die vom Atollboden aufsteigen, sowie von tiefen Riffkanälen (Kandus).

Ein herausragender Platz ist Dhonfanu Thila. Dieser Unterwasserberg liegt in einem Kanal und weist eine ausgeprägte Strömungsexposition auf. Das Riffdach beginnt bei etwa 7 bis 8 Metern und fällt steil auf Tiefen jenseits der 30-Meter-Marke ab. An der strömungszugewandten Kante patrouillieren Graue Riffhaie. Ab etwa 25 bis 30 Metern Tiefe öffnet sich ein Durchbruch im Fels, der bis auf rund 18 Meter ansteigt und durch den Taucher bei passender Strömung gleiten können, während darüber dichte Fischschwärme im Freiwasser stehen.

Ein weiterer bekannter Tauchplatz ist Nelivaru Thila. Das Riff zeichnet sich durch markante Überhänge, Canyons und Durchschwimmungen aus, die mit Hart- und Weichkorallen bewachsen sind. Unter den Überhängen stehen dichte Schwärme von Schnappern, Süßlippen und Glasfischen, an den Kanten sind Graue Riffhaie, Adlerrochen und Napoleon-Lippfische zu sehen. In der Mantasaison dient das Thila zudem als Putzerstation für Riffmantas. Wie solche Riffstrukturen erdgeschichtlich entstehen, erläutert der Fachartikel zum Atoll.

Für Liebhaber von Weichkorallen und Überhängen lohnt sich ein Tauchgang an Kakka Thila. Das Riffdach reicht bis auf etwa 4 Meter an die Oberfläche, und das Thila lässt sich von beiden Seiten betauchen. Zu sehen sind gelbe Weichkorallen, große Überhänge, Ammenhaie und an der Ostseite Adlerrochen.

Ebenfalls erwähnenswert ist Dharavandhoo Thila, das unweit der Hauptinsel liegt. Das kleinere, meist ruhigere Thila ragt bis auf etwa 10 Meter an die Oberfläche und fällt jenseits der 30-Meter-Marke ab. Zu sehen sind Schwärme von Schnappern, Süßlippen und Füsilieren, ruhende Schildkröten, Weißspitzen-Riffhaie und eine gute Makrofauna.

Ergänzend bietet Yellow Wall (auch Golden Wall genannt) eine langgezogene Wand mit Überhängen, die von gelben Weichkorallen überzogen sind. Sie lässt sich in beide Richtungen betauchen.

Monsunwechsel, Strömung und Sichtweiten

Das Tauchen im Baa-Atoll wird durch zwei Monsunperioden geprägt. Von Mai bis November herrscht der Südwestmonsun (Hulhangu). In dieser Phase drückt der Wind feuchtere Luftmassen und wechselhaftes Wetter auf die Malediven. Zugleich ist dies die Hauptsaison für Plankton und damit für Begegnungen mit Mantas und Walhaien an den östlichen Riffen. Durch das Plankton ist die Sicht im Sommer meist geringer als im Winter.

Von Dezember bis April dominiert der Nordostmonsun (Iruvai). Er bringt stabile Wetterlagen, klaren Himmel und ruhige Meeresbedingungen. Die Sichtweiten sind dann oft besonders gut. Für Taucher, die weite Steilwandsichten und ruhige Bedingungen suchen, sind die Wintermonate ideal.

Die Wassertemperatur bleibt das ganze Jahr über konstant bei angenehmen 27 bis 30 °C. Ein 3-mm-Nasstauchanzug oder ein dünner Ganzkörperanzug aus Lycra reicht völlig aus. Kälteempfindliche Taucher, die täglich drei Tauchgänge absolvieren, greifen zu einem 5-mm-Anzug, um Auskühlung über mehrere Tage hinweg zu vermeiden.

Tauchpraxis und Sicherheitsregeln

Die Bedingungen an den Kanälen und Thilas des Baa-Atolls können fordernd sein. Viele Tauchgänge werden als Strömungstauchgang (Drift Dive) durchgeführt. Ein zügiges Abtauchen an die Riffkante ist erforderlich, um nicht von der Strömung ins Freiwasser getrieben zu werden.

Bei Strömungstauchgängen gehören eine eigene Oberflächenboje (SMB) und eine Signalpfeife zur Ausrüstung. Da die maledivische Tauchverordnung ein striktes Tiefenlimit von 30 Metern vorschreibt, ist ein zuverlässiger Tauchcomputer unverzichtbar. Taucher mit Einstiegsbrevets wie Open Water Diver sind je nach Verband auf 18 bis 20 Meter limitiert, und viele Basen verlangen für die tieferen Plätze mindestens das Advanced-Brevet oder entsprechende Erfahrung. Vergleichende Riffbedingungen aus anderen Teilen des Archipels finden Sie in den Berichten zu Maaya Thila im Ari-Atoll sowie zu Embudu im Süd-Malé-Atoll.

Bei Ausfahrten zu den Kanälen wird die Strömung vor dem Sprung ins Wasser häufig vom Guide geprüft. Taucher sollten sich im Briefing genau über das geplante Riffprofil, die Strömungsteilung (Split Point) und das Vorgehen bei Verlust des Buddys informieren. Beim Sicherheitsstopp auf fünf Metern Tiefe wird die Signalboje stets vor dem Aufstieg gesetzt, damit das Begleitboot die Gruppe frühzeitig orten kann.

Anreise und Unterkünfte im Baa-Atoll

Die Anreise in das Baa-Atoll erfolgt vom internationalen Flughafen Velana bei Malé. Von dort aus bestehen zwei Möglichkeiten. Die gängigste Variante ist ein rund 25-minütiger Inlandsflug zum Regionalflughafen Dharavandhoo (DRV), gefolgt von einer kurzen Bootsfahrt zur gebuchten Insel. Alternativ fliegen viele Resorts ihre Gäste direkt mit dem Wasserflugzeug an.

Das Atoll bietet Unterkünfte für unterschiedliche Budgets. Neben Hotelresorts auf privaten Inseln gibt es auf bewohnten Inseln wie Dharavandhoo oder Kamadhoo Gästehäuser, von denen aus Tauchbasen die lokalen Thilas und Schnorchelausflüge zur Hanifaru Bay anbieten.

Bei der Wahl der Basis sollten Taucher darauf achten, dass die Schnorchelausflüge zur Hanifaru Bay mit einem zertifizierten Hanifaru-Guide stattfinden. Der Zugang erfolgt mit Eintrittsmarke, und die Zahl der Besucher in der Bucht ist begrenzt. Es empfiehlt sich daher, den Ausflug frühzeitig mit der Basis abzusprechen.

Häufige Fragen zum Tauchen im Baa-Atoll

Darf man in der Hanifaru Bay mit Gerät tauchen?

Nein, das Gerätetauchen ist in der Hanifaru Bay seit 2012 verboten. Zum Schutz der Mantas und Walhaie ist ausschließlich Schnorcheln mit zertifizierten Guides unter strengen Auflagen gestattet.

Wann ist die beste Zeit für Mantas im Baa-Atoll?

Die Hauptzeit für Massenansammlungen von Riffmantas liegt zwischen Mai und November während des Südwestmonsuns. Die größten Gruppen werden erfahrungsgemäß von Juli bis Oktober bei Vollmond und Neumond beobachtet.

Welche Qualifikation ist für die Tauchplätze im Baa-Atoll erforderlich?

Für einfache Hausriffe genügt in der Regel ein Open Water Brevet. Für die strömungsreichen Thilas und Kanäle verlangen viele Basen mindestens das Advanced Open Water Brevet oder entsprechende Erfahrung.

Welcher Neoprenanzug empfiehlt sich für das Baa-Atoll?

Bei ganzjährigen Wassertemperaturen von 27 bis 30 °C genügt ein 3-mm-Nasstauchanzug oder ein dünner Ganzanzug. Bei mehreren Tauchgängen täglich schützt ein 5-mm-Anzug vor langsamem Auskühlen.

Quellen und weiterführende Links

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